Kunstmanifest

Kunst - Gesetz

Art. 1

Im Kunstbereich ist jeglicher Wettbewerb, Notengebung und Auszeichnung zu unterlassen, damit keine Konkurrenz, keine Hierarchie und keine Kunstelite entstehen kann.  

Art. 2

Der Bildende Künstler ist der Kunst verpflichtet und hat sich von allen politischen, propagandistischen, ökumenischen, pädagogischen und hierarchischen Zwecken zu befreien.

Art. 3

Der Bildende Künstler hat unbestechlich zu sein und die Annahme von Auszeichnungen zu unterlassen. Alle Titel und Preisungen sind abzuschaffen und nicht mehr gültig.

Art. 4

Alle Künstler sind gleichberechtigt ihre Kunstwerke auszustellen. Jeder städtisch geförderte Ausstellungsraum (außer historische Museen) ist verpflichtet, Kunstwerke von allen zeitgenössischen Bildenden Künstlern auszustellen. Es ist eine öffentliche Warteliste für Gruppen- und Einzelausstellungen zu führen, damit sich jeder Bildende Künstler für seine Kunstausstellung eintragen kann.


Art. 5

Es ist untersagt Kunstwerke und Künstler zu selektieren oder von der Ausstellung auszuschließen, unter dem Vorbehalt, dass Kunsträume keine rechtsfreien Räume sind.

Art. 6

Kunsträume welche städtisch gefördert sind, sind keine Verkaufsräume, sondern primär Kunstausstellungsräume, in welchen vorrangig unverkäufliche Kunstwerke zu präsentieren sind.

Art. 7

Dem Bildenden Künstler und Kunststudenten ist ein Bedingungsloses Grundeinkommen von mindestens 1000,- Euro monatlich vom Staat zu zahlen, um unabhängige künstlerische Tätigkeit zu ermöglichen, Arbeitsraum zu mieten, Kunstwerke herzustellen und auszustellen sowie Kunsttransport und Kunstmaterialien zu bezahlen.

Diese Finanzierung ist möglich, nachdem alle Ausgaben wie individuelle Beförderungen, Stipendien, Bafög, Wettbewerbspreise und diesbezügliche Verwaltungskosten abgeschafft sind. Niemand wird gezwungen das Bedingungslose Grundeinkommen anzunehmen.


Art. 8

Die Kunstpädagogik ist abzuschaffen und stattdessen Kunstgeschichte als Unterrichtsfach einzuführen. Für alle kunstinteressierten Kinder sind fachliche Werkstätten einzurichten unter der Leitung von professionellen Bildenden Künstlern.


Art. 9

Wer sich über die Kunst stellt und gegen dieses Kunstgesetz verstößt, wird dazu verurteilt sich lebenslänglich zu schämen.


Art. 10

Das Kunstgesetz kann nur durch Verstand und Wille jedes Einzelnen umgesetzt werden, ohne jegliche Gewalt, Zwang oder Belästigung. Je mehr Menschen den Sinn dieses Kunstgesetzes verstanden haben und sich dieser Notwendigkeit anschließen, desto effektiver wird die Kunst von Bevormundung befreit.

Warum ist dieses Kunstgesetz notwendig ?


Dieses Kunstgesetz soll verhindern, dass die Kunst aus dem öffentlichen Leben verdrängt wird, als „unrentabel“ enteignet wird und zum obskuren Multimedia-Konglomerat degradiert wird, in welchem der Künstler nur noch als Handwerker und Bediensteter in Frage kommt.


Obwohl im Grundgesetz (Artikel 5 GG) die Kunstfreiheit prinzipiell garantiert ist:

„Kunst und Wissenschaft ist frei“, wird der Kunst und dem Künstler zunehmend Selbstbestimmung und Spielraum entzogen und der banalen Zweckmäßigkeit geopfert.


Kaum hat sich freie Kunst etabliert, wird sie den alten Verwaltungs-/Kontrollmechanismen unterzogen und von oben herab kuratiert, repräsentiert, vorjuriert, ausjuriert, rezensiert, zensiert, profiliert, publiziert, nominiert, protegiert, sponsoriert, optimiert, rationiert, rationalisiert, kultiviert, ökumenisiert, aktionisiert, instrumentalisiert und marktorientiert. Schließlich wollen auch die unzähligen Kuratoren und Kulturreferenten in der Kunstbranche Fuß fassen und am liebsten den Künstler ganz ersetzen. Dabei kommt selten eine Kunstausstellung raus, sondern Kunstsimulation und sonderbare Inszenierung für Sponsoren, Stadtverwaltung und für das ohnehin schwindende Publikum.


Besonders in der rasanten Digitalomanie, kommt die Kunst fast schon obsolet und marginal vor, nachdem es dem Menschen von kleinauf beigebracht wird, sich mit mickrigen digitalen Bildern samt permanenter Werbebelästigung und Pornodreck abzugeben. Natürlich ist nichts gegen Elektronik einzuwenden wenn es um eine sinnvolle und ethische Nutzung geht, im Gegensatz zum pathologischen Umgang mit pandemischen Folgeerscheinungen wie Abhängigkeit, Süchtigkeit, Multistress, Hektik, Vereinsamung, Verelendung und Pervertierung.


Wenn es nicht gelingt diese degenerative Entwicklung kollektiv zu durchschauen und aufzuhalten, wird der Künstler nur noch im Marktbetrieb für stupide Geschenkideen, Einwegprodukte, Event-Deko, Werbung, Bodypainting, Tattoo-Muster, Second-Live und zombiehaften Computerspiele zu gebrauchen.

Dem übrig gebliebenen Restkünstler bleibt mittellos - wie ein Clochard oder Indianer im Reservat - unter unwürdigen Bedingungen abzuleben und höchstens eine Höhlenmalerei zu machen, welche in tausend Jahren als Kulturerbe entdeckt wird.


Demzufolge wird es kaum öffentliche Kunstausstellungen in Galerien mehr geben und selbst wenn es manchen Kunstschaffenden durch Kontakte gelingt, mit künstlerischer Tätigkeit durchzukommen, werden es nur noch Auftragsjobs für triviale Schickimicki-Befriedigung, ordinäre Verschnörkelung und Plagiate in bekannter Manier der neureichen Eliten, Oligarchen, Medienstars und sonstigen Millionären, die sich durch skrupellose Ausbeutung von Mensch und Ressourcen (z.B. 1-Euro-Jobs und 1-Euro-Ware) bereichern.


Wenn die Kunst dem Künstler aus der Hand genommen wird, bedeutet das multiplen Verlust für die ganze Gesellschaft, da dies kollektive geistige Verarmung, Kreativitätsflaute und Abgestumpftheit zur Folge hat.

Soweit ist begreiflich, dass Kunst, Kreativität und schöpferische Kraft nur durch Autonomie bzw. Unabhängigkeit der Künstler erreichbar und zu erhalten ist.


Gibt es Kunstfreiheit ?


Kunstfreiheit ist auch heute keine Selbstverständlichkeit. Viele Menschen glauben, dass sie und besonders Künstler frei seien, obwohl sie offensichtlich vieles unfreiwillig machen und öfters fremdbestimmt sind.


Die Künstler werden niemals Sklaven sein ! Sie werden immer die Freiheit haben das zu tun, was der Markt und die öffentliche Meinung von ihnen verlangen.


Diese ironische Aussage wurde abgeleitet von George Bernard Shaw („Die Engländer werden niemals Sklaven sein ! Sie werden immer die Freiheit haben das zu tun, was die Regierung und die öffentliche Meinung von ihnen verlangen.“), wobei der Schriftsteller bestimmt nichts dagegen hätte, wenn die Worte „Engländer“ und „Regierung“ durch andere Nation und Gruppe ersetzt würde, solange der Sinn nicht verloren geht.


Es kann sich also nicht um Kunst handeln - sondern um Dienstleistung - wenn Künstler dem Markt und Sponsoren gefällig sind oder sich einer Meinung beugen.

Auch kann nicht ernsthaft von Kunst die Rede sein, wenn die Werke dilettantisch, plagiatorisch, willkürlich oder nostalgisch sind.


Viele Menschen haben ein ziemlich gestörtes Verhältnis zur Kunst und glauben, dass Bildende Kunst engagiert oder emotionell zu sein hat und irgendwelche Gefühle auszudrücken hat oder zumindest schön, friedlich und therapeutisch zu wirken hat, je nachdem, wie der Mensch gerade in Stimmung ist bzw. in welchem geistigen Entwicklungsstadium er sich befindet. Falls der Mensch seinen eigenen Augen nicht trauen kann, versucht er die Kunst über fremde Augen des Kunstpädagogen und Galeristen zu erfahren.


Ähnlich gestört ist das Verhältnis der Menschen zur Natur, was der Filmemacher Dieter Wieland in seiner Doku „Grün kaputt“ (1983) aus der Dokuserie „Topografie“ begreiflich macht. https://www.youtube.com/watch?v=h464P_ztgfg


Vor allem aber sind es die Tiere, die unter dem Menschen zu leiden haben und ihm sogar über den Tod hinaus zu dienen haben. Menschen halten fest an dem Irrglauben, dass gerade getötete Tiere als Leichenschmaus ihrem Wohl dienen. Dabei lassen sich Feinschmecker von den Fleischhändlern vergewissern, dass die zur Wurst verarbeiteten Nutztiere ein glückliches Leben hatten und „human getötet“ wurden, zumal auf der Fleischverpackung und auf dem Fleischtransporter stets lustige lachende Tiergesichter abgebildet sind.

Viele Tierfreunde belustigen sich auf Kosten von versklavten Tieren und finden es besonders faszinierend und kunstvoll, wenn verkleidete Affen, Tiger und Elefanten im Zirkus menschliche Ideen ausüben und sogar als Medikamententester oder als Therapeutikum für psychische Probleme zu dienen haben wie neulich auch noch die Delfine.

Die Stimmung kippt jedoch schnell und Menschen werden erbost, wenn Tiere, meistens Pferde und Hunde, nicht alles auf Schritt und Tritt befolgen. Schließlich haben sich Menschen das Leben gegenseitig auch nicht leicht gemacht; warum um Gotteswillen sollen andere Lebewesen es leichter haben ?!


So zynisch werden auch Künstler behandelt, da sie künstlerische Leistung stets lückenlos zu erbringen haben, selbst wenn sie brotlos und obdachlos sind. Wenn sich ihre Kunstwerke nicht wie warme Semmeln wenigstens für paar Euros für die Hotelindustrie in Dubai verkaufen oder wenn ihre Kunstwerke konzeptionell unverkäuflich sind, gelten Künstler als Nichtsnutzer und Versager und werden selbst von Künstlerkollegen gemieden.

Falls es ihnen nicht gelingt nach unzähligen Bewerbungen wenigstens eine ökumenische Förderung zu erlangen oder Käufer anzulocken - was sogar manche Galeristen von Künstlern verlangen - dann haben Künstler die Freiheit, die Kunstbühne zu verlassen und pseudo-künstlerische Dienstleistungen zu erbringen oder irgendeinen bürokratischen Schwachsinn nur für das Existenzminimum zu erdulden.


Erst nach dem Tod haben viele Künstler wieder eine Chance entdeckt zu werden, da eine von vielen Stiftungen ihre Kunstwerke erlangen kann, aufwändig restaurieren kann, in einem Museum aufhängen kann, sowie Kunstbücher und Beiträge zur Kunstgeschichte herausgeben kann. Solche Kunstgeschichte hat Menschen gelehrt, dass es dem Künstler gar nicht schaden kann brotlos zu leben, weil viele Künstler es trotzdem geschafft haben - wenn erst nach dem Tod - dass ihre Kunstwerke in großen Museen hängen und für Millionen Euros und Dollars gehandelt werden.


Doch selbst die Kunstmuseen und Kunsthallen samt Kuratoren werden bald ausgehungert sein, da sie im digitalen Zeitalter kaum Chancen auf Bestand haben. Die neue Generation „digital native” wurde bereits global dazu erzogen, nur noch mickrige Bilder aus dem Smartphone zu konsumieren, welche schnell und überall in jeder Schul- und Arbeitspause aufrufbar sind. Natürlich sind solche Bilder keine Kunst, aber wozu brauchen wir Kunst ?


Brauchen wir Kunst ?


Es stellt sich erst die Grundfrage, was der Mensch wirklich zum Leben benötigt.

Um den biologischen Körper zu erhalten ist klar, dass der Mensch nur Luft, Wasser, Nahrung und Obdach benötigt, wie sonst alle Tiere.

Falls dem Körper noch der Geist beiwohnt, braucht er auch geistige Nahrung in Form von Philosophie, Literatur, Kunst, Musik und Glaube bzw. Religion.

Je nachdem ob der menschliche Geist musisch oder visuell begabt ist, fühlt er sich von Farben, Klängen oder Sprache so stark angezogen, dass er das Bedürfnis hat sich nur noch damit zu beschäftigen, zu vertiefen und neue Darstellungsformen zu kreieren.


Wer glaubt, dass digitale Erzeugnisse irgendeine geistige Nahrung ersetzen können, hat wohl keinen Geist, oder hatte wahrscheinlich noch keine direkte Begegnung mit Bildender Kunst, Theaterschauspiel, Orchesterkonzert und Poesiebuch sowie keine echte Freundschaft erlebt, sondern nur eine virtuelle über Facebook. Anders als in der digitalen Scheinwelt, ist Kunst von allen Seiten sichtbar, anfassbar und live mit allen Sinnen zu erleben.


Digital-Surfer glauben, dass sie sich schneller und schlauer als die anderen in der Welt bewegen können, doch welche Ersparnis oder Gewinn haben sie davon ? Haben sie wenigstens mehr Zeit ? Kennt jemand überhaupt Menschen, die noch sagen können, dass sie viel Zeit haben (trotz vielen technischen zeitsparenden Errungenschaften) ?

Der heutige Mensch stößt auf das Paradoxon, dass ihm immer weniger Zeit verbleibt, obwohl er sich immer schneller und weiter bewegt.


Es begreifen nur wenige Menschen, dass Zeit eigentlich nur ihre Lebenszeit bedeutet und dass jede Bewegung riskant ist, sobald sich der Mensch von sich selbst entfernt.


Für was hätte sich der Mensch wohl entschieden, wenn er wüsste, dass er nur noch eine Woche oder einen Monat oder ein Jahr leben wird ? Hätte er seine Lebenszeit weiterhin für digitale Bilder, Büro oder anderweitig verschwendet oder hätte er die restliche Lebenszeit lieber in der Natur und mit natürlichen Werten verbracht ?

Doch gleich wie lange der Mensch lebt, ist das Leben definitiv zu kurz und zu kostbar, um es für Konkurrenz, Berühmtheit, Geldanhäufung oder andere Belanglosigkeit zu verschwenden.


Wenn das allgemein verstanden wird und wenn es wenigstens in der Kunst gelingt, jegliche Konkurrenz, Wettbewerb und Kommission abzuschaffen, dann wird der Künstler samt Publikum von der künstlichen Obrigkeiten (Juroren/ Kuratoren) befreit, welche stets neue Barrieren und Selektionsmodelle erfinden.


Sobald es gestattet wird allen Bildenden Künstlern ihre Kunstwerke auszustellen - und nicht nur den wenigen Wettbewerbsgewinnern - werden alle Kunsträume erblühen und nur der Kunst dienen.

Wenn der Künstler auch noch mit Existenzminimum (Bedingungsloses Grundeinkommen) abgesichert wird, dann spielt Geld keine große Rolle - zumal es dem wahren Künstler noch nie wirklich ums Geld ging sondern um die Kunst - so dass der Künstler sich sogar leisten könnte, seine Kunstwerke zu verschenken oder gegen Materialkosten zu verkaufen.

Kunsthändler und Galeristen brauchen sich deswegen keine Sorgen zu machen, da es immer Klientel gab und geben wird, die es bevorzugt viel Geld für Kunst in Galerien und für sonstigen Luxus auszugeben, um ihrem Besitz einen großen Geldwert zu verschaffen.

Obwohl es bereits auf dem Markt viele Billigware und Billiglokale gibt, begeben sich die meisten wohlhabenden Menschen nicht dahin, sondern stets auf teueres prominentes Terrain, allein schon um sich von der Masse abzuheben und unter sich zu bleiben.

Wenn der Kunstraum von der Übermacht der Jury/Kommissionen befreit wird, wäre dies sogar für den Kunsthändler und Galeristen besonders profitabel, da sie viel größere Kunstauswahl hätten und die ausgestellten Kunstwerke direkt vom Künstler sogar günstig kaufen und teuerer weiterverkaufen könnten. 


Im Kunstraum ist vieles machbar und harmlos, was im Alltagsleben unerwünscht und auch unvorstellbar ist. Der Künstler kann neue Perspektiven kreieren, unbrauchbare surreale und abstrakte Formen erschaffen, unkonventionelle unpassende Farben und sinnlose Effekte einsetzen, ohne irgendeine negative Wirkung.

Im Kunstwerk ist immer ein Risiko und Überdosierung anwendbar und sogar das Scheitern stets einkalkuliert, was das Kunstwerk gerade so spannend, aufregend und einmalig macht. Im Bild und auf der Bühne ist sogar eine Übertreibung und Eskalation harmlos, da es garantiert keine Verletzten oder Verlierer geben kann, ganz anders als im wahren Leben.

In der Kunst gibt es keine Fehler und selbst wenn die Farbe nicht wie geplant verläuft oder zu dick aufgetragen wird, gibt’s keinen Schaden sondern sogar positiven Aspekt, anders als im Design und Architektur, wo alles millimetergenau und serienmäßig nach Plan ausgeführt werden muss. In anderen Berufen wie Arzt, Pilot, Ingenieur oder Politiker sind Fehler noch schwerwiegender und sogar tödlich.


Kunst gibt stets neue Inspirationen und viele Möglichkeiten der Fantasie freien Lauf zu geben. Von daher ist Kunst kostbar und unersetzbar, zumal sie auch geistige Nahrung und geistige Verdauung ermöglicht.

Kunst ist aber keine Therapie und keine Pädagogik, da diese Berufe bestimmte Ziele verfolgen und bestimmte Ergebnisse anstreben und somit mit Kunst nicht wirklich kompatibel sind. Auch ist Unterhaltung, Belustigung und Showbusiness keine Kunst, weil ebenfalls in diesem Bereich bestimmte Ergebnisse und Ziele angestrebt werden.

Bildende Kunst hat keine bestimmten Ziele und ist meistens unverkäuflich, so dass ihre Erhaltung gesetzlich geschützt und garantiert sein muss.


Woran ist Kunst erkennbar ?


Als Kunstwerk ist ein Bild, ein Objekt oder ein Konzept zu begreifen, wenn es vom Künstler erschaffen und zu Kunst erklärt wurde (oft nur im bestimmten Kontext).

Werke welche prinzipiell anderen Zwecken und Programmen dienen, wie der Unterhaltung (z.B. Event, Belustigung), Marketing (z.B. Wettbewerb, Verkauf), Design (z.B. Dekoration, Handwerk), Politik (z.B. Aktionismus, Propaganda), Pädagogik (z.B. Erziehung, Mainstreaming), Religion (z.B. Ökumene, Ritual) etc, sind keine Kunst, da sie primär Dienstleistungen oder Werbemittel sind. Solche Dienstleistungen sind von Kunsträumen zu entfernen und fern zu halten, besonders von allen Ausstellungsräumen, welche zwecks Kunstförderung vom Staat mit dem Bürgergeld (Steuergelder) subventioniert sind.


Nicht nur in der Vergangenheit sondern auch heute wird in öffentlichen Kunsträumen öfters Kunstsimulation betrieben und diverse Platzhalter ausgestellt, die ideologischen, ökumenischen, propagandistischen und weisungsgebundenen Zwecken dienen.

Zunehmend werden sogar solche Künstler begünstigt und mit Preisungen gefördert, die sich bestimmter Ästhetik, Thematik und ideologischen Weisungen beugen, so dass im öffentlichen Kunstraum immer weniger Platz, wenn überhaupt, für freie Bildende Kunst verbleibt.


Leider werden viele unlaute doch professionelle und produktive Künstler systematisch von den Kunsträumen verdrängt und dazu verleitet nur pseudo-künstlerische Dienste zu leisten wie z.B. pädagogische, therapeutische, soziale usw, sowie ihre Kunstwerke für Notgroschen zu verkaufen, um nicht zu verhungern und nicht ganz als „erfolglose, gescheiterte, chancenlose, arbeitslose“ abgestempelt zu werden.


Natürlich wird der Markt und das Kapital d.h. Firmen, Vereine, Stiftungen, Kartelle und auch Glaubensgemeinschaften immer versuchen - unter dem Deckmantel von Kunst/Kultur - Einfluss auf den Kunstraum zu nehmen und den Künstler zu bedrängen.

Daher muss jeder Mensch fähig sein, Kunst von Dienstleistung zu unterscheiden und am besten alle propagandistischen und kapitalgesteuerten Ausstellungen meiden, um die Einzigartigkeit der Kunst zu schützen.


Bildende Kunst ist ein höheres Gut und als rein visuelles Werk bzw. als visuelles Erlebnis zu begreifen, so wie Musik rein akustisches Werk ist und als solches begreifbar ist.

Es wäre unverständlich ein Bild als Musik zu deklarieren, selbst wenn auf dem Bild ein Klavier und Violine gemalt sind und es wäre plump, Menschen auf ein Musikkonzert einzuladen, wo ein Maler statt Dirigent steht und gemalte Musikinstrumente zeigt.

Genauso wenig kann irgendeine akustische (nichtvisuelle) Leistung als Bildende Kunst begriffen werden, da diese visuell ist und hauptsächlich aus Malerei, Zeichnung, Druckgrafik, Collage, Skulptur, Plastik und Installation besteht.

Erst die darstellende Kunst wie Film, Theater, Performance und Videokunst sind Bereiche, in welchen diverse Mixformen und Experimente mit Bild, Ton, Bewegung samt emotioneller Effekte funktionieren können.

Daher wäre sinnvoll sowohl für den Künstler als auch für den Betrachter, wenn die Kunsträume kunstspezifisch gehalten werden. Vor allem Performance hat sich eigenen Raum verdient, da ihr spontanes Auftreten in beliebigen Räumen nicht immer wahrgenommen wird, oft leider nicht ernstgenommen wird und manchmal sogar als Belästigung empfunden wird.


Aus diesen Gründen kann es keine „schlechte“ oder „gute“ Kunst geben, sondern nur Kunst die missverstanden und unwürdig präsentiert wird. Vielmehr sollte jeder Mensch fähig sein, Kunst von Kunstsimulation bzw. „Nichtkunst“ zu unterscheiden.


Wie soll freie Kunst organisiert werden ?


Sobald die städtisch (bürgerlich) finanzierten Kunsträume von der willkürlichen Jurorenmacht befreit werden, werden sich die Kunst und die Künstler selbst organisieren und in eigener Regie ihre Ausstellungen gestalten.

Aus organisatorischen Gründen müsste in den Ausstellungsräumen lediglich eine öffentliche Warteliste für Gruppen- und Einzelausstellungen geführt werden, wo sich Künstler eintragen und der Reihe nach ausstellen können. Der Kunstraum würde stets gegen entsprechende Kaution vermietet, um zu garantieren, dass der Raum nach jeder Ausstellung sauber und unbeschädigt verlassen wird. Die Kunsträume werden wie sonstige städtische Räume organisatorisch gemäß der Hausordnung überwacht.

Mehr braucht es nicht zu geben und es ist zu erwarten, dass solche Kunsträume weniger Möchtegernkünstler oder Karrieregeier anziehen würden, welche auf Preisungen und Betreuung ausgerichtet sind und sich ungern hintereinander in einer Warteschlange anstellen würden ohne extra gefördert zu werden.

Falls die bisherigen Kunsträume nicht ausreichen und sich das öffentliche Interesse erweitert, könnten neue städtisch finanzierten Kunsträume geschaffen werden.

Da private Kunstgalerien primär Verkaufsräume sind, sind sie nicht immer für freie Kunst geeignet. Es muss also genügend städtisch finanzierte Kunsträume geben, wo neue und auch unverkäufliche oder bereits verkaufte Kunst gezeigt werden kann.


Natürlich sind Zuwendungen, Spenden, Ankäufe und Publikationen bei den Künstlern immer willkommen, jedoch auf freiwilliger Basis und nicht durch einen Wettbewerb.

Da die Kunstwerke nicht mehr von Juroren gefördert werden, können sie von jedem Menschen durch individuelle Geldspende, Materialspende, Raumspende wertgeschätzt und direkt erworben werden.


Kann man von Kunst leben ?


Es gibt und es gab schon immer solche Galeristen und Kunsthändler, die mit Kunsthandel große Gewinne machen. Doch nur sehr wenige Künstler können von Bildender Kunst leben und sind meistens mittellos, ähnlich wie viele der berühmten Künstler in der Geschichte z.B. Van Gogh, Mondrian und Tizian der bis zum Tod an Hunger litt.

Da die Kunstvielfalt eine Bereicherung für die ganze Gesellschaft ist, sollte jeder Künstler finanziell abgesichert werden und monatliches Existenzminimum bzw. Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) erhalten. Denn jeder Künstler ist mit der Kunst die ganze Zeit und lebenslang beschäftigt, so dass künstlerische Tätigkeit nicht nur an bestimmten Kunstwerken und schon gar nicht nur an der Verkäuflichkeit gemessen werden kann.


Es wäre überhaupt notwendig und es ist längst keine Utopie, dass alle Menschen der Welt das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) erhalten. Und gerade wegen der Industrialisierung und Globalisierung ist es notwendig und möglich, allen Menschen ein Existenzminimum zu geben, damit jeder bei sich Zuhause leben kann oder reisen und überall arbeiten kann, jedoch nicht aus Armut, sondern aus Liebe zur bestimmten Kultur und zum Beruf. Dann muss niemand mehr hungern und fliehen und aus Not betrügen oder zu etwas gezwungen werden.


Skeptiker befürchten, dass es z.B. in Deutschland bei ca. 80 Millionen Bürgern nicht genug Geld für das Bedingungslose Grundeinkommen gäbe, obwohl laut öffentlicher Statistik die Deutsche Regierung nur in einem Jahr 2017 ca. 1.474,57 Milliarden aus Steuergeldern und Export eingenommen hat.


Alle Skeptiker könnten erstmal die offiziellen Einnahmen/Ausgaben der BRD prüfen ob sie mit 1.437,97 Milliarden für die bisherigen Ausgaben und Subventionen einverstanden sind. Trotz Arbeit wurden in Deutschland bereits im Jahr 2017 – 137,58 Milliarden Euro für Soziales und Arbeitsverwaltung und 19 Milliarden für die Finanzverwaltung ausgegeben. Allein die Militärausgaben waren im Jahr 2017, 44,3 Milliarden Euro hoch.


Die Militärausgaben von 15 führenden Ländern belaufen sich jährlich auf 1.400 Milliarden Dollar was 1,4 Billionen Dollar sind, siehe offizielle Statistik: „Ranking der 15 Länder mit den weltweit höchsten Militärausgaben im Jahr 2017 in Milliarden US-Dollar“.


Als Folge von dieser Politik, wurden allein in Deutschland in nur einem Jahr 2017 über

21 Milliarden Euro für die Flüchtlingskrise ausgegeben, davon 7,2 Milliarden für die Bekämpfung von Fluchtursachen (erneute Militärkosten ?), siehe Statistik „Die Kosten der Flüchtlingskrise“, Quelle:


https://de.statista.com/statistik/daten/studie/164032/umfrage/einnahmen-und-ausgaben-des-deutschen-staats/

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/796941/umfrage/einnahmen-und-ausgaben-im-bundeshaushalt/

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/449433/umfrage/bundeshaushalt-ausgaben-nach-ressorts/

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/157935/umfrage/laender-mit-den-hoechsten-militaerausgaben/

https://de.statista.com/infografik/7798/ausgaben-des-bundes-fuer-asyl-und-gefluechtete/


Viele glauben, dass sie keinen Einfluss darauf haben und wenn schon, dann nur durch eine Demonstration oder durch politische Statements und Aktionen im Kunstraum, als ob jemals irgend eine Antikriegs-Kunstaktion wirksam gewesen wäre.

Viele Menschen begreifen es wohl nicht, dass nur das realisierbar ist, was vorher denkbar ist. Und wenn die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens nicht einmal gedacht werden will, dann bleibt sie undenkbar.

Anders als Kriege und blutige Revolutionen, die jederzeit in jedem Kopf denkbar sind und realistisch erscheinen. Und wenn Menschenmassen die Gewalt und Kriege schon im Kopf möglich machen und diese bösen Geister buchstäblich rufen, dann können sie real werden. Und so paradox es auch klingt, bringt Krieg und seine Folgen mehr Konjunktur als Frieden, zumal für alle Überlebenden viele Arbeitsplätze entstehen, um das Zerstörte wieder aufzubauen. Trotzdem wird dieses Hirngespinst verbreitet „Sozial ist was Arbeit schafft“, obwohl es jedem mit gesundem Menschenverstand klar sein muss, dass offenbar vieles was Arbeit schafft gar nicht sozial ist, und gerade der Krieg und Gewalt die meiste Arbeit schafft.


Trotz des Wohlstandes und Überflusses, trotz der Überproduktion und sogar der unfassbaren Vernichtung von Lebensmitteln, haben Menschen stets mit einem Armutsbewusstsein zu hadern.

Ist es wirklich besser immer weiter zu produzieren und anschließend Produkte zu vernichten - und sogar mit dem Ziel der Vernichtung tödliches Gift, Waffen und Kampfjets zu produzieren - als einfach „Nichtstun“ zuzulassen ?

Kann es sein, dass in der kollektiven Mentalität das „Nichtstun“ - selbst wenn es nichts zu tun gibt - sogar schlimmer ist als Krieg und mit allen Waffen zu bekämpfen ist ?


Wobei als „Nichtstun“ alle diese Tätigkeiten herabgesetzt werden, die nicht erwerbstätig sind, d.h. kein Geld bringen wie z.B. für sich selbst zu putzen, für sich selbst zu kochen, eigene Kinder selbst zu betreuen etc.

Selbst das Konsumieren beim „Geschäftsessen“ im Restaurant wird als Arbeit gewürdigt, anders als für sich selbst zu kochen und anschließend eigenes Geschirr abzuwaschen.


Es werden sogar zahlreiche Umweltverschmutzer als „sozial und großzügig“ angesehen, wenn sie im Freien absichtlich dreckige Flaschen und Dosen hinterlassen, um dem „arbeitslosen“ Flaschensammler für wenigstens paar Cents ein bisschen Arbeit zu ermöglichen.

Doch wenn alle Menschen ihren Müll selbst entsorgen, dann wird es keinen Müll und folge dessen keine Putzfrauen und keine Müllmänner geben, sondern nur Frauen und Männer.

Wenn aber eine Putzhilfe benötigt wird, muss diese finanziell höher als in jedem anderen Beruf bezahlt werden, um die Würde des Menschen zu bewahren.


Obwohl gerade unsere zunehmend „arbeitslose“ und dennoch wohlhabende Industrie-gesellschaft es sich leisten kann viele Künstler zu haben und zumindest den Künstlern, Schauspielern, Musikern und Literaten das Bedingungslose Grundeinkommen zu gewährleisten, wollen sich nur wenige das in ihrem Kopf vorstellen.


Viele sind grundlos in Sorge, dass niemand dann arbeiten wird, obwohl es bekannt ist, dass reiche Menschen, sogar Millionäre und Milliardäre immer weiter arbeiten.

Auch viele andere Menschen, die finanziell abgesichert sind z.B. wohlhabende Rentner arbeiten ehrenamtlich, weil die Arbeit ihnen einen Sinn im Leben gibt.

Falls es aber einige Menschen gibt, die lieblos und fehlerhaft arbeiten und noch anderen in die Suppe spucken, wäre es dann nicht besser und billiger gerade die Unfähigen und Trotteln mittels Existenzminimum vom Arbeitsmarkt fern zu halten ? Vielleicht gäbe es dann weniger Unfälle, Krankheiten, Fehler und Irrtümer, die keinen Gewinn sondern nur Verluste für uns alle schaffen.

Wer also immer noch nicht begriffen hat, dass Bedingungsloses Grundeinkommen für alle notwendig ist und auch machbar ist, wird von diesen Experten garantiert überzeugt:

Götz Werner (Marktexperte und Anthroposoph), Ralph Boes (Philosoph und Aktivist),

Rico Albrecht und Andreas Popp (Wirtschaftsberater, Autoren von „Plan-B“),

Enno Schmidt (Künstler, Regisseur) und Daniel Häni (Unternehmer, Regisseur, Filmproduzent „Grundeinkommen - ein Kulturimpuls“).


http://www.unternimm-die-zukunft.de/de/goetz-werner/buecher-goetz-werner/

http://ralph-boes.de/#Bedingungsloses-Grundeinkommen

https://www.wissensmanufaktur.net/media/pdf/plan-b.pdf

https://www.grundeinkommen.ch/uber-uns/

https://www.youtube.com/watch?v=ExRs75isitw


Braucht Kunst eine Bewertung ?


Viele Menschen und sogar Künstler, können es nicht lassen Kunst als „gut“ oder „schlecht“ zu werten, vielleicht weil sie in der Schule nichts anderes gelernt haben, als alles und jeden zu bewerten, oder sich zumindest einer Bewertung anzuschließen.

Leider glauben viele Menschen, dass Kunstwerke nur dazu geschaffen und ausgestellt werden, um bewertet zu werden, und vor allem den Juroren - so wie früher dem Schullehrer - zu gefallen. Bei abstrakten Kunstwerken die nicht narrativ sind, sind viele Menschen überfordert und rechtfertigen sich sogar, nichts dazu sagen zu können, als ob ihre Bewertung notwendig wäre und es nicht ausreichen würde, einfach nur zu schauen oder zu fragen.


Doch trotz jahrelanger Schulbildung haben Menschen immer noch nicht aus der Geschichte gelernt, dass viele damalige - erst heute anerkannte - Denker und Künstler von ihren Zeitgenossen auch nicht verstanden waren und sogar verspottet und diskriminiert wurden, wie z.B. Galileo Galilei, El Greco und alle Impressionisten.

Das sollten gerade die Kunsthistoriker wissen, welche zunehmend als Kuratoren, Juroren agieren und sich anmaßen Kunstwerke samt Künstler zu beurteilen, zu bevormunden und auszugrenzen.


Da die Kunst zukunftsorientiert ist, kann sie in der Gegenwart gar nicht beurteilt und schon gar nicht zum Scheitern verurteilt werden. Jedoch muss jedem klar sein, dass Kunstraum gar kein rechtsfreier Raum ist, wo absichtliche Schädigung oder Betrug geduldet werden kann.


Alle Kunstkommissionen und ihre Bewertungen können niemals objektiv sein, sondern stets subjektiv, relativ und temporär und somit nicht im Sinne der Kunst. Juroren und Kuratoren die Kunst selektieren oder gar aus dem Kunstraum verbannen, haben aus der Kunstgeschichte nicht gelernt, dass sich die Sichtweisen ständig ändern, und gerade die einst verpönten und abgelehnten Künstler und ihre Kunstwerke, später zu den meist geschätzten und kostbarsten aufgestiegen sind wie es z.B. bei Impressionisten, Expressionisten, Fauvisten und den Modernen der Fall ist. Hier nur einige Beispiele:


Paul Cézanne wurde von der Ausstellung in Paris (1884) abgelehnt.

Marcel Duchamp wurde von Ausstellungen in Paris (1912) und in New York (1917) abgelehnt.

Henri Matisse wollte wegen Misserfolg, Verarmung (1900) die künstlerische Tätigkeit aufgeben.

Piet Mondrian plante wegen finanzieller Not und Misserfolg (1919), seine Kunst aufzugeben und als Arbeiter im Weinanbau das Geld zu verdienen.


Trotzdem werden Künstler nach wie vor bewertet, bevormundet und ihre Werke einer fragwürdigen Jury unterzogen, die ihre Entscheidungen nicht einmal begründet.

Bei manchen Ausstellungen gibt es wohl mehr Juroren, Kuratoren und Verwalter als Künstler.

Nicht nur, dass sich die Künstler für jede Ausstellung auf eigene Kosten zu bewerben haben, es wird von ihnen öfters sogar eine dreiste Bearbeitungsgebühr verlangt und zusätzlich bei Ablehnung werden Rücksendungskosten erhoben, da ansonsten die Bewerbungsmappe gar nicht an den Künstler zurückgeschickt wird.


Auch gibt es dubiose Projektförderungen, für welche sich der Künstler nur dann bewerben darf, wenn er im Voraus seine neuen unrealisierten Ideen und Konzepte einer fragwürdigen Jury vorlegt und dies völlig ungeschützt. Besonders bei einer Ablehnung besteht die Gefahr, dass die Konzepte an Plagiatoren weitergeleitet werden können.

Und wenn der Künstler irgendwann einen Ausstellungsplatz bei einer Gruppenausstellung doch noch ergattert, dann darf er sich oft bei der Eröffnungsrede anhören, welch großartige Leistung Sponsoren und Kuratoren erbracht hätten. Zunehmend tritt der Kurator wie ein Promi in den Vordergrund, während der Künstler nur noch als Handwerker und Gehilfe im Hintergrund bleibt, zumal er öfters nur dazu gebraucht wird um - wie in der Schule - eine Arbeit zum Thema bzw. Idee des Kurators auszuführen.

Wenn es wirklich um Kunstförderung geht, benötigen zeitgenössische Ausstellungen keine Kuratoren und schon gar nicht ihre Erwähnung. Die eigentliche Funktion des professionellen Kurators war und ist, Ausstellungen von toten Künstlern in Museen zu betreuen.

Wenn Kuratoren zunehmend lebendige Künstler vertreten, sie bevormunden oder gar den Platz des Künstlers einnehmen, wird vielleicht damit versucht, den Künstler symbolisch für „tot“ zu erklären ?


Prof. Hans Dieter Huber schrieb schon im Jahr 2002, dass (...) der Begriff des Kurators mehr und mehr an prominenter Stelle im Ausstellungsgeschehen aufscheint. Wir haben es hier mit der Entstehung eines Starsystems zu tun, wie es Richard Sennett in “Die Tyrannei der Intimität” hervorragend beschrieben hat.

Mehr und mehr drängen Kuratoren als Gestalter von Ausstellungen in den Vordergrund. Es gibt mittlerweile einen glitzernden Namenskult unter dem Etikett "Curated by (...)", selbst wenn sich nur jemand darum gekümmert hat, dass die Handwerker die Bilder richtig aufhängen, die Abbildungen im Katalog mit den richtigen Legenden versehen sind und möglichst wichtige Personen zur Eröffnung eingeladen sind. Wenn man den Namen des Kuratoren kennt, weiß man meist schon, was man zu erwarten hat. (...) Hier geht es um Millionenumsätze.

Manche derartigen Projekte haben ein Gesamtvolumen von bis zu 25 Millionen Euro. Das ist etwa der gesamte Jahresetat der Kunst- und Ausstellungshalle der BRD in Bonn. Es ist nicht ungewöhnlich, dass derartige Ausstellungsdesign-Agenturen an bis zu 10 verschiedenen Groß-Projekten gleichzeitig arbeiten. (...) Über mögliche Strategien und Konsequenzen, die aus dieser historischen Situation herausführen, müsste meines Erachtens dringend diskutiert werden.“ 

(Zitate aus dem Text von Prof. Hans Dieter Huber „Künstler als Kuratoren - Kuratoren als Künstler?“)   https://www.hgb-leipzig.de/artnine/huber/aufsaetze/kuratoren1.html


Wegen diesem neuen Trend, erklären sich manche verzweifelte Künstler peinlicherweise selbst zum Kurator (Betreuer) und stellen sich so über andere Künstlerkollegen. So haben sie die Illusion „nach oben“ zu steigen und glauben einen Aufstieg halbwegs geschafft zu haben.


Alle verehren den Künstler Marcel Duchamp, doch sie haben es nicht begriffen, was er schon vor 100 Jahren in seinem Bild „Akt, eine Treppe herabsteigend“ offenbar manifestiert hat, dass der Mensch die Treppe nicht hoch, sondern runter zu gehen hat.

Wenn es ihm nur um Akt der Bewegung ginge, wie viele Kunsthistoriker dogmatisch behaupten, hätte Duchamp das Bild nur „Akt der Bewegung“ genannt bzw. das Bild unbetitelt gelassen oder eine ganz andere Bewegung dargestellt.

Dieser geniale Konzeptkünstler hat offensichtlich darauf Wert gelegt, diese bestimmte Bewegung „Treppe herabsteigend“ darzustellen, zumal die Treppe ein Aufstiegssymbol ist.

Obwohl Duchamp damals keinen Erfolg mit seinem Kunstwerk hatte und zu keiner Ausstellung zugelassen wurde, gehört gerade dieses Bild zu den meist bekannten und hat bis heute sehr viele Künstler bewegt, doch leider in die vertikal falsche Richtung.


Kann Kunst gefährlich sein ?


Ein Kunstwerk könnte nur aus technischen Gründen gefährlich sein, im Falle dass es nicht richtig befestigt ist, wenn sich der Künstler aus finanziellen Gründen keine Handwerker für fachliche Befestigung und Transport leisten kann. Wahre Kunst kann von sich aus gar nicht gefährlich sein, zumal der Kunstraum kein rechtsfreier Raum ist.


Trotzdem kommt es vor, dass Menschen sich vor Kunst fürchten, wenn sie in der Kindheit im Kunstunterricht traumatisiert wurden, indem sie unter Zwang und Zeitdruck auf Befehl malen mussten und dafür noch „schlechte Noten“ bekamen. Unter dem Vorwand „Kunstunterricht“, hat das Schulkind stets unter Zeitdruck ausgedruckte Vorlagen auszumalen sowie gezielte Themen und fertige Bilder nachzumalen. Diese permanente Nachahmung ist krasses Gegenteil von Kreativität und führt meistens nur zur Konditionierung, Automatismus und Plagiatismus, von daher ist Kunst sogar schon im Vorfeld gefährdet.


Dabei ist der abwegige Kunstunterricht keine Ausnahme, da solche schulische Traumatisierung auch in anderen Unterrichtsfächern wie Musik, Sprachen, Mathematik und Sport vorkommt, so dass betroffene Menschen sich ihr Leben lang davor fürchten und solche Bereiche meiden.

Da es gar nicht möglich ist, auf Druck irgendwelche Kunstleistung zu verlangen, könnte nur Kunstgeschichte unterrichtet werden und für alle kunstinteressierten Kinder, sollten freiwillige Kunstwerksstätte ohne Benotung und ohne Wettbewerb - unter der Leitung von professionellen Bildenden Künstlern - eingerichtet werden.


Wann wird man Künstler, wer kann sich als Künstler definieren ?


Joseph Beuys hat gesagt (Zitat): „jeder Mensch ist ein Künstler. Damit sage ich nichts über die Qualität. Ich sage nur etwas über die prinzipielle Möglichkeit, die in jedem Menschen vorliegt. Das Schöpferische erkläre ich als das Künstlerische, und das ist mein Kunstbegriff.“


Es gibt viele wertvolle Interviews mit Joseph Beuys im Internet, vor allem das Gespräch „Beuys über Beuys“ (1985), wo er sogar die Notwendigkeit des Bedingungslosen Grundeinkommens erwähnt. Siehe Video „Joseph Beuys - Frühstücksgespräch (2/2)

https://www.youtube.com/watch?v=6CqlaCoXre8


Wie kommt es, dass mit diesem Postulat so gut wie niemand einverstanden ist ?


Derzeit gilt nur derjenige als Künstler, der es schafft seine Werke zu vermarkten oder diese zumindest ideologisch und ökumenisch auszurichten, um sich Zuwendungen und Geldpreise aus kirchlichen und anderen Stiftungen zu verdienen.

Und obwohl es sogar im Grundgesetz heißt „Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei“ (Artikel 5 Abs.3 GG), will niemand wissen, dass diese Freiheit bereits für immer garantiert ist und nur noch praktisch umzusetzen ist.

Um Menschen von dieser Grundfreiheit abzubringen und ihnen einzureden, dass es angeblich keine Freiheit ohne Kampf und Arbeit gibt, wird bizarre Denkakrobatik betrieben, welche keine Kosten und Verluste scheut. Vor allem Pädagogik hat sich in dieser Denkfabrik bewährt, da sie es geschafft hat, alle Menschen dazu zu erziehen, sich der ständigen Benotung und Beurteilung unterzuordnen und jegliche Fragen zu unterbinden.


Doch gerade Fragen sind wichtig, denn sie bringen zum Nachdenken und Nachforschen, um zumindest eine Orientierung zu bekommen. Kinder stellen noch viele Fragen von sich aus und anstatt ihnen diese sachlich zu beantworten, dreht man den Spieß um, zwingt Kinder in die Schule, damit sie lernen keine Fragen mehr zu stellen. Denn in der Schule dürfen die Fragen nur vom Lehrer gestellt werden und dies über die Sachen, welche Kinder gar nicht interessieren und welche sie gar nicht wissen können, da sie die Antworten auswendig auf Befehl unter Zwang und Angst zu lernen haben.

Selbst im Kunstunterricht hat das Kind zu lernen, ein ästhetisches Bild nach Vorgabe und Thema in kurzer Zeit für „gute Note“ herzustellen. Eine „schlechte Note“ will jedes Kind und natürlich auch seine Eltern vermeiden, da es in der Klassengemeinschaft beschämt wird und für weiteres Leben als schwach, unprädestiniert und als Außenseiter abgestempelt wird. In der Gesellschaft zählt nämlich nur die gute Note und obwohl es sogar als „Zensur“ benannt wird - wird nicht durchschaut, dass diese nur eine Belohnung für die Unterwerfung ist.


Die so zugerichteten Kinder wollen buchstäblich nichts mehr wissen und nicht mehr forschen und haben längst verlernt Fragen zu stellen, zumal schon im Voraus jede Menge Antworten parat stehen, welche von den Medien und Marktforschung vorgefertigt wurden.

Und so werden aus talentierten Kindern subalterne Leute, die sich genau so verhalten, wie solche, die sie bearbeitet haben. In jedem Beruf wird lediglich nach Vorgabe, Weisung und Empfehlung gearbeitet und dies sogar in der Kunst. Selbst wenn etwas fragwürdig und absurd erscheint, wird gar nichts hinterfragt.


Selbst die Künstler stellen untereinander keine relevanten Fragen. Gespräche über die Kunst werden gescheut, zumal sich viele Parvenüs zu Kunst-Experten inszenieren und vorgeben, was der Künstler zu leisten und zu sagen hat, um die angeblichen Chancen auf dem Kunstmarkt zu erlangen. Nur noch selten begegnen wir Menschen, die noch selbständig denken und offen über die Kunst diskutieren. Aufgrund diesen Diskussionen ist unser Manifest entstanden.









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©Copyright: Daria Wendland und Vero Wendland

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Über die Autoren

Wir sind Bildende Künstler aus München. In den Jahren 2005 bis 2012 haben wir an der Münchner Akademie der Bildenden Künste, Bildhauerei und Keramik sowie Malerei und Grafik studiert. Nach dem Diplom haben wir unsere künstlerische Tätigkeit auf Videokunst erweitert und waren einige Jahre als VeeJays tätig. Neben unserer künstlerischen Tätigkeit und Teilnahme an zahlreichen Kunstausstellungen, schreiben wir Texte und Aphorismen.

Zuletzt haben wir unser Kunstmanifest „Kunst-Gesetz“ verfasst.




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